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Online-Tagebuch über Auslandsaufenthalt in Schweden.

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Lappland eiskalt

Hallo,

vorweg schon die eindringliche Warnung an alle Faulen: Dieser Eintrag wird lang werden, da er meiner Meinung nach ein Highlight dieses "Schweden-Urlaubs" aus meiner Perspektive widergibt. Es wird ein Erfahrungsbericht über die Reise nach Lappland werden, und soll zugleich auch als Reiseführer für diejenigen von Euch gelten, die sich das auch mal in Zukunft antuen wollen. Doch nun der Reihe nach.

<Kapitel I> "Wir fahren dann mal los" oder "Die Liste"

Ich glaube es war ungefähr Mitte Oktober, da veranstaltete die Universität in Vernbindung mit einem eher dubiosen Reiseveranstalter namens Scanbalt eine Infoveranstaltung für eine einwöchige Reise nach Lappland/Schweden. Es gibt auch noch einen finnischen Teil Lapplands, aber der wird hier im Folgenden nicht weiter erwähnt. Die Reise sollte laut Veranstalter mit dem Bus bestritten werden, was dann auf mindestens 18 Stunden einfache Fahrt hinausgelaufen wäre, weil Kiruna mehr oder weniger das letzte nördliche Nest Schwedens ist und Schweden nun mal sehr groß ist. 18 Stunden Busfahrt? Man ist zwar durch Klassenfahrten einiges gewöhnt, aber das ist dann auch dem hartgesottensten Pauschalurlauber zu viel. Da wir (Klaus, Marlon, Max, Henrik und ich) uns diesen Spaß aber nicht entgehen lassen wollten, planten wir fünf kurzerhand diesen Trip alleine ohne Veranstalterhilfe. Vorteil: Der Flug nach Kiruna war günstiger als gedacht und wir würden in Hütten wohnen, was definitiv cooler ist als eine Jugendherberge in der Stadt.

Doch der Reihe nach. Die Planung der Aktivitäten gestaltete sich im Vorfeld schwieriger als erwartet. Schlittenhunde brauchen für ihre Arbeit genügend Kälte, deswegen waren noch nicht alle Angebote für Anfang Dezember zu haben. Einige Anbieter des örtlichen Hundeschlittenkartells verweigerten uns ein Angebot zu machen (Taube - du kommst auf die Liste!). Nach mehreren Anläufen klappte es dann doch und wir konnten die Aktivitäten und vor allem die Unterkunft zu einem guten Preis buchen (really really a nice cabin - everything is possible).

Am Tag des Abflugs dann musste schon um 4:30 der Wecker klingeln, was weniger dramatisch ist als es klingt. Ich war es ohnehin schon wegen meines Deutschland-Intermezzos gewohnt. Die Fahrt ging im Zug nach Stockholm los. 3 Stunden schier endlose Fahrt durch die Mitte Schwedens. Außergewöhnliches gibt es da eigentlich nicht zu berichten.

Das Flugzeug war eine MacDonnell (kA wie man das schreibt), damit habe ich glaube ich so ziemlich alle Flugzeughersteller durch (nur so am Rande erwähnt). Was während des Fluges auffiel, war, dass einige Passagiere auffällig dicke Kleidung schon trugen. Zu diesem Zeitpunkt hat sich aber der gemeine Mitteleuropäer über diesen Umstand noch wenig Gedanken gemacht.

<Kapitel II> "Scheiße, ist das kalt" oder "Ich brauche die FAZ"

Ankunft in Kiruna: Die Landebahn ist im Prinzip vereist gewesen, und das daran anschließende Rollfeld wo dann schließlich Flugzeuge parken erst recht. Flugzeuge? Nur eins da, nämlich unseres, der Flughafen ist sauklein, um es genau auszudrücken. Verlassen tut man das Flugzeug ausschließlich über die Gangway, dann steht man erstmal auf dem besagten Rollfeld, und schon wurde es jedem klar: Es wird kalt werden. Die Luft ist eher trocken, aber es brennt auf der Haut. Ich könnte jetzt noch länger über die Kälte philosophieren, aber man muss es einfach mal erlebt haben. Zu diesem Zeitpunkt waren es exakt noch milde -19° Celsius.

Mit dem Kleinbus ging es gleich zu unserer Cabin, also eine kleine Hütte, schätzungsweise 65 qm, ausreichend für uns fünf, zudem relativ luxuriös ausgestattet für schwedische Verhältnisse. Machte man die Außentür auch nur für ein paar Minuten auf, fiel im Innenraum die Temperatur merklich um ein paar Grad. Ein Ofen, der in Mitte des Wohnzimmers stand wurde mit diversen Artiklen der FAZ angemacht, obwohl es Klaus wahrscheinlich nicht so recht war. Doch basisdemokratisch wie wir nun mal sind, musste die noch ungelesene Zeitung herhalten zum Feueranmachen.

Ein kurzer Ausflug zum See bestätigte schließlich noch einmal, dass es kalt ist. Eher orientierungslos bewegte man sich auf dem See, erst nach einiger Zeit wurde festgestellt, dass es sich überhaupt um einen eingefrorenen See handelte (komisch, warum sind hier keine Bäume). Es war zu diesem Zeitpunkt natürlich schon dunkel.


Nach diversen Runden von beliebten Kartenspielen und alkoholischen Getränken gings ins Bett, denn am nächsten Morgen mussten wir früh raus.

<Kapitel III> "Kein Mitleid mit den Hunden" oder "Bitte vor den Kurven bremsen"

Der nächste Tag stand im Zeichen der Schlittenhunde. Jeweils zwei Personen teilten sich einen Schlitten, der von fünf Hunden gezogen wurde. Wer Huskys erwartete, wurde enttäuscht. Es waren eher Husky-Mischungen, die aber extrem drahtig wirkten und fast immer froren, wenn angehalten wurde. Die Armen.

Ernstgemeinterweise gab es am Anfang vom Besitzer der Hunde die Anweisung vor Kurven zu bremsen. Machen konnte man das ganz leicht, indem man mit einem Fuß leicht auf eine mitrutschende Matte, die unter dem Schlitten befestigt war, tippte. Die Hunde wurden damit sofort gebremst, und man konnte in die Kurve fahren.

Man muss aber auch erwähnen, wie das genau funktioniert mit dem Fahren: Der Schlitten war zu Anfang an einem Auto befestigt. Dann wurden die völlig hyperaktiven Hunde eingezäumt und vor den Schlitten gespannt. Sogar da schon zogen die Hunde am Schlitten, der sich aber natürlich noch keinen Millimeter bewegte. Nachdem aber dann der Knoten gelöst wurde, ging es sofort mit erstaunlich hoher Geschwindigkeit voran. Die Hunde folgten ihrem Frauchen, welche vorneweg fuhr. Gleich zu Anfang der Tour gab es eine schärfere Linkskurve, die in den Wald führte. Hier musste man ein wenig bremsen, um in der Bahn zu bleiben. Offensichtlich sahen das aber nicht alle Teilnehmer der Tour so. Denn: Nachdem wir einige Zeit im Wald fuhren, bemerkten wir (Max und ich teilten uns den Schlitten), dass ein herrenloser Schlitten direkt hinter uns herfuhr. Henrik und Klaus wurden, wie sich später herausstellte, bei besagter Kurve abgeworfen. Sie konnten aber kurze Zeit später den Schlitten wieder einholen (Mensch, Mensch, was ein Stress).

Bilder können besser beschreiben als Worte, also werden hier an dieser Stelle einige Bilder stehen.

Abschließend muss erwähnt werden, wenn man nach Lappland fährt, dann MUSS man Schlittenfahren. Geht kein Weg daran vorbei.


<Kapitel IV> "Achtung, da ist ein Baum"

Der nächste Morgen stand im Zeichen der Skifahrer. Wir gingen für unsere Verhältnisse recht früh über den See zum Camp, welches ungefähr 2 km entfernt war. Da aber im Prinzip nur Wege da waren, die von Snowmobiles plattgewalzt waren, wurden diese 2km recht lang und anstrengend. Der Schnee war sehr tief und man sackte mit den Schuhen immer ordentlich ein. Im Camp angekommen, wurde die Aussicht genossen, die sich von einer Art Floßkonstruktion bot. Irgendwie schien der Himmel in Lappland anders zu wirken als in Karlstad. Es war trotz der nicht vorhandenen Sonne relativ hell und der Himmel färbte sich rötlich. Toll. Weniger toll waren dagegen die uns zur Verfügung gestellten Skiausrüstungen. Die Bindungen waren mehr als marode, das hinderte natürlich am professionellen Fahren. Und somit wurden wir daran gehindert, die angestrbte Tour um den See zu machen. Schade.

Abends gings mit den Snowmobiles auf große Tour. Im Prinzip sind das großes Motorräder für den Schnee, und ziemlich schnell dazu. Der Weg hin zu einer Anhöhe war dann auch für alle kein Problem. Man saß immer zu zweit auf so einem Bock. Ab dieser Station, von wo man aus die Polarlichter sehen sollte (haben wir allerdings nicht), hieß es dann: Fahrerwechsel.

Und damit nahm das Unglück für einen Mitstreiter von uns seinen Lauf. Er wechselte nämlich von der Fahrerposition nach inten und überließ das Steuer einer Spanierin. Frau am Steuer - Ungeheuer. Hier muss dieser Spruch leider angewendet werden, denn er drückt die Wahrheit aus - in diesem speziellen Fall allerdings nur. Denn schon nach wenigen Metern verlor die Spanierin die Kontrolle über die 250 kg-Maschine, rutschte seitlich in einer Kurve in die Böschung und wurde schließlich von einem Baum gestoppt. Klassischer Verkehrsunfall. Die Fahrt ging für die beiden nicht weiter, da das Mobil sich verkeilte und man aufgrund des hohen Gewichts sowas nicht einfach so rausheben kann.

Nach einigen Bemühungen der überaus kompetenten Betreuer konnte das Wrack geborgen werden. Da hat man was erlebt. Abschließend lässt sich sagen, dass das Snowmobile-Fahren schon lustig ist. Allerdings nicht für den Preis und dann auch bitte mit gleich guten Fahrern, denn wenn man einen eher passiven Fahrer vor sich hat, dann ist das nicht so lustig, weil eher langweilig. Trotzdem alles in allem relativ cool.

Mau Mau wurde am Abend gepielt. Das härteste Mau Mau aller Zeiten, weitere Details werden verschwiegen. Wie Hugh Hefner sage ich: Was in der Hütte passiert ist, bleibt auch in der Hütte.



<Kapitel V> "Vor wem soll man mehr Angst haben? Vor der Mine oder vor der Frau?"

Am nächsten Tag ging es in die größte Eisenerz-Mine der Welt. Angeblich soll es auch eine der ökologischsten und sinnvollsten sein, aber das sagt ja jeder. Beeindruckend war es schon, dass in einer Tiefe von 540 unter Null und unter fast 1000 Metern Gestein ein vollständig ausgestatteter Kinosaal auf uns wartete.

Diese Mine ist wohl gigantisch groß, zu sehen bekamen wir nur einen ganz kleinen Teil. Fast unvorstellbar ist auch die tägliche Fördermenge: 80.000 Tonnen Rohmaterial. Also im Prinzip jeden Tag 80.000 Autos aus einem Berg aus fast 1000 Metern Tiefe hervorzuholen ist schon sehr viel. Manchem Teilnehmer unserer Gruppe wurde angesicht der gewaltigen Tiefe schon etwas mulmig, vor allem weil ja auch die Fahrt in die Tiefe ausschließlich mit dem Bus bestritten wurde (!). Manche hatten aber auch eher vor der kompetenten Führerin Angst, die mit unerbittlicher Härte die Gruppe vor sich her scheuchte. Im Prinzip bestand die Gruppe fast ausschließlich aus Studenten, die meisten nutzten die 15 Minuten im Kinosaal um sich zu entspannen. Alle waren also im Prinzip nur bedint aufnahmefähig, was ja immer vom Abendprogramm des Vortages abhängt. Und wie das Abendprogramm von Studenten in der Regel aussieht muss ich ja nicht erklären.

<Kapiel VI>
"Good Bye" und Fazit

Am nächsten Tag ging es eigentlich nur um das Packen, das anschließende Saubermachen der Butze und um das Einholen der Kaution. Alles lief glatt und so sah man sich auch kurze Zeit später wieder am Flughafen.

Kiruna ist definitiv eine Reise wert. Ganz wichtig ist die Hundeschlittenfahrt. Und immer schön lieb sein zu den Hunden, die sehen zwar recht putzig aus, aber können auch anders.

Gruß aus Karlstad

Christopher

 



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P
Tja, was soll ich sagen. Da kann man eigentlich nur neidisch werden;)
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I
Oh sorry, der erst Kommentar gehört eigentlich zu dem vorherigen Eintrag... *g*<br /> <br /> LG,<br /> <br /> Inga
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I
Sehr interessanter Bericht!<br /> Macht auf jeden Fall Lust auf eine Reise nach Kiruna!<br /> <br /> Liebe Grüße,<br /> <br /> Inga
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I
Na dann herzlichen Glückwunsch!<br /> <br /> Liebe Grüße,<br /> <br /> Inga
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